Beispiele für eine museumspädagogische Zusammenarbeit | 02.02.2012

Die Emil Molt Schule und das Käthe Kollwitz Museum Berlin

Am 26.01.2012 herrschte Aufregung unter den Schülern der 12. Klasse der Emil Molt Schule Berlin und den beiden Lehrerinnen Beate Franke und Andrea Schröder: An diesem Abend sollte ihre Ausstellung im Käthe Kollwitz Museum Berlin eröffnet werden. Würden ihre künstlerischen Arbeiten vor den Augen des kritischen Berliner Publikums bestehen?

Die museumspädagogische Partnerschaft zwischen dem Kollwitz- Museum und der Emil Molt Schule wurde durch die Kulturprojekte Berlin vermittelt und begann 2008 mit der Arbeit an einer „Hommage à Käthe Kollwitz“. In dieser Ausstellung setzten sich die Schüler der 12. Klasse mit dem Werk der Kollwitz auseinander, indem sie Themen und bildnerische Gestaltung der Kollwitz Bilder variierten: Sie setzen sie in Fotografien, Collagen, Zeichnungen und Monotypien um, sie schrieben Gedichte zu den verschiedenen Motiven, sie arbeiteten Details bildhauerisch nach und gestalteten damit im Januar 2009 die Ausstellungseröffnung zur Langen Nacht der Museen im Käthe Kollwitz Museum. Die Schauspielerin Brigitte Grothum las aus den Tagebüchern der Künstlerin, es wurde musiziert und mit den Besuchern über die ausgestellten Arbeiten gesprochen. Die Leiterin des Museums, Frau Dr. Fritsch, schrieb damals: „In der Gestaltung der Langen Nacht der Museen am 31. Januar 2009 kulminierte das Käthe-Kollwitz-Projekt, mit dem die 12. Klasse der Emil Molt Schule ihre sorgfältige und gründliche Auseinandersetzung mit der Kunst von Käthe Kollwitz durch eine eindrucksvolle Ausstellung dokumentierte.“
Es folgte ein Theaterprojekt der 11. Klasse der Emil Molt Akademie (Fachoberschule), die im Unterrichtsfach Darstellendes Spiel das Stück „Die Weber“ von Gerhard Hauptmann einstudierte und Szenen davon unter anderem im Kuppelsaal des Museums zu Aufführung brachte.

Nach dem Reaktorunfall in Fukushima schlug Frau Dr. Fritsch ein neues Projekt vor: „Fukushima – Schüler sehen die Katastrophe mit den Augen der Kollwitz“. Seit August 2011 haben 18 Schüler der 12. Klasse der Emil Molt Schule im Rahmen zweier Projektunterrichte – Malerei und Grafik sowie Textildesign – an dieser aktuellen Ausstellung gearbeitet, die nun eröffnet wurde und sechs Wochen gezeigt werden wird: Die Schüler hatten durch vorangegangene Projekte bereits Erfahrungen mit verschiedenen künstlerischen Techniken und waren neugierig auf mögliche Erweiterungen durch Fotografie, Textildesign, Collage, Druck etc. So zeigt die neue Ausstellung einerseits Grafiken, Gedichte und Textilien, die aus der Beschäftigung mit dem Thema „Fukushima“ resultieren, aber andererseits auch problembezogene Entwicklungen individueller Konzepte, die die Motive der Künstlerin Käthe Kollwitz auf bildnerisch neuartige Weise aufgreifen und darstellen. Die Schüler übten sich in Zen- Kalligrafie und erarbeiteten sich die Schnitttechniken traditioneller japanischer Textilkunst (Haori und Kimono). Sie zeichneten im Museum und erhielten von der Museumsleitung eine auf ihr Projekt abgestimmte Führung. Sie besuchten eine Textilwerkstatt und beschäftigten sich mit Textildruckverfahren. Sie lernten die japanischen Gedichtform des Haiku kennen und fassten den Inhalt ihrer Bilder in eigene Worte. Ungewöhnlich war die Beschäftigung mit den japanischen Holzschnittkünstlern Hokusai und Hiroshige, deren Motive mit der Darstellung des menschlichen Leids in den Werken von Käthe Kollwitz verbunden wurden, sodass durch diese Synthese ein künstlerischer Ausdruck für die entsetzliche Reaktorkatastrophe von Fukushima gefunden werden konnte. Die Schüler sollten dabei bekannte und schon geübte Bildlösungen suchen, die problembezogene Entwicklung eines eigenen Konzeptes erarbeiten und die Themen der Künstlerin Käthe Kollwitz in neuen bildnerischen Zusammenhängen mit Bezug auf die japanische Kultur aufgreifen und darstellen. Jeder Schüler dokumentierte die eigenen Arbeit in Form eines Portfolios.
Durch die Öffnung des Unterrichts nach außen in der Zusammenarbeit mit dem Käthe Kollwitz Museum sollte eine nachhaltige und über den regulären Unterricht hinausgehende kulturelle Bildung geschaffen werden. Dabei sollten die Schüler nicht nur neue künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten, sondern auch die Organisation einer Ausstellung und die Gestaltung einer Vernissage kennenlernen. So arbeiteten sie nicht nur aktiv bei der Vorbereitung der Präsentation ihrer Werke im Kuppelsaal des Museums, sondern gestalteten auch den musikalischen Rahmen bei der Vernissage und erläuterten dem Publikum ihre Intentionen.

In einer abschließenden Reflexion beschrieben die Schüler die Arbeit an diesem Projekt: „Insgesamt habe ich in diesem Kunstprojekt sehr viel Neues erfahren und gelernt. Vor allem die Kalligraphie und die Werke des Künstlers Hokusai haben mich beeindruckt… Sehr interessant war es für mich auch, etwas über die mir bisher unbekannte Künstlerin Käthe Kollwitz zu erfahren. Ihr Schicksal und ihre Werke haben mich stark beeindruckt. Es war auch ein starkes Erlebnis, die Themen miteinander zu verbinden. Nun freue ich mich auf die Ausstellung und bin stolz, die Möglichkeit zu haben, an so einem Projekt mitzuwirken.“ (Sonja Mandaiker) „Mir hat diese Arbeit Spaß gemacht, da man mit verschiedenen Stoffen und Farben ein bisschen experimentieren konnte. Somit waren die ersten Stücke gut geeignet um sich in das Thema „Drucke“ etwas einzuarbeiten und sich zu orientieren. Die Chance zu haben, ein so altes Handwerk wie den Blaudruck kennen zu lernen und damit zu arbeiten, hat mich sehr gefreut und es hat mir großen Spaß gemacht, die Stoffe zu bedrucken. Ich konnte mir das Muster aussuchen und den Haori nach meinen Vorstellungen gestalten. Auch später mit den selbst bedruckten Stoffen weiter zu arbeiten und ein Haori, welcher für den Blaudruck typisch ist, zu nähen, hat mir gefallen. Für eine Ausstellung zu arbeiten finde ich auch gut, da so auch andere Menschen an den Arbeiten teilhaben können und man ein Ziel hat, auf
welches man hinarbeitet. Im Großen und Ganzen bin ich mit meiner Arbeit sehr zufrieden und würde auch alles wieder so machen.“

Johanna Eilers

„Rückblickend lässt sich sagen, dass mir die Arbeit in der Gruppe sehr gefallen hat. Gemeinsam an dem Projekt zu arbeiten war eine schöne Erfahrung. Durch den möglichen Austausch mit anderen Projektteilnehmern war in Situationen, in welchen man nicht weiter wusste, guter Rat nicht weit. Über die Arbeit kann ich aus meiner Sicht sagen, dass ich die Vorarbeiten als sehr gut empfunden habe. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich in das Thema eingearbeitet habe. Die so erworbenen Grundlagen haben mir sehr bei meinem eigenen Projekt geholfen. Ich finde es schön, wenn man weiß, dass die geschaffenen Arbeiten nicht nur für einen selbst sind, sondern einem guten Zweck dienen und auch anderen Betrachtern dargeboten werden. Dies verlieh meinem Schaffen einen besonderen Anreiz. Ich hoffe, dass die Ausstellung eine kleine Hilfe für Japan und die Opfer der schrecklichen Katastrophe sein wird.“

Lea Erman

Durch diese museumspädagogische Zusammenarbeit mit dem Käthe Kollwitz Museum und damit der Öffnung des Unterrichts nach außen möchte die Emil Molt Schule eine nachhaltige und über den regulären Unterricht hinausgehende kulturelle Bildung zu verschiedenen Themen schaffen. Wir hoffen, dass dieses Erlebnis die Schüler über ihre Schulzeit hinaus begleiten wird.