Abitur an der Emil Molt Schule

Seit dem Schuljahr 2020/21 führt die Emil Molt Schule eigenständig bis zum Abitur — ein bewusster und sorgfältig vorbereiteter Schritt in der Geschichte der Schule. Wo Schüler:innen zuvor an andere Einrichtungen wechseln mussten, um die allgemeine Hochschulreife zu erwerben, begleitet die Schule sie heute durchgehend bis zum Abschluss. Dieser Artikel erklärt, wie der Weg zum Abitur an der Emil Molt Schule aufgebaut ist, was dabei aus der Waldorfpädagogik erhalten bleibt — und wie sich die Oberstufe von der bisherigen Klassenlehrer-Zeit unterscheidet.
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Was bedeutet das Abitur an der Emil Molt Schule?

Mit dem Schuljahr 2020/21 hat die Emil Molt Schule den Weg zur allgemeinen Hochschulreife in das eigene Schulangebot integriert. Zuvor war nach der zwölften Klasse ein Wechsel notwendig, wenn Schüler:innen das Abitur anstrebten: an eine andere Waldorfschule mit eigenem Abiturzweig oder an die Emil Molt Akademie, eine Ausgründung der Emil Molt Schule, die einen eigenen Bildungsweg zur Fachhochschulreife und in soziale Berufe anbietet. Seit 2020/21 können Schüler:innen stattdessen an der Emil Molt Schule bleiben und ihren Weg bis zum Abitur fortsetzen. Diese Erweiterung verbindet zwei Anforderungen, die zunächst nicht selbstverständlich zusammengehören: die staatlichen Vorgaben für das Abitur in Berlin und die pädagogischen Grundprinzipien der Waldorfschule. Der Anspruch der Emil Molt Schule ist, beides nicht gegeneinander auszuspielen, sondern in der Oberstufe zusammenzuführen — fachlich anspruchsvoll und zugleich der Waldorfpädagogik verpflichtet. Für die Schulgemeinschaft war dieser Schritt ein bedeutender Ausbau: Er verlangte den Aufbau eines eigenen, staatlich anerkannten Kurssystems für die Klassen 12 und 13 mit entsprechend qualifizierten Lehrkräften — bei gleichzeitigem Anspruch, die charakteristischen Elemente der Waldorfpädagogik nicht aufzugeben, sondern so lange wie möglich in die Schulzeit zu integrieren.
„Man erreicht das Abitur nicht trotz der Waldorfschule, sondern mit ihr.“

Der Weg zum Abitur im Überblick

Bis einschließlich der elften Klasse folgt der Unterricht an der Emil Molt Schule derselben Systematik wie in den Klassenstufen zuvor. Erst mit der zwölften und der dreizehnten Klasse verändert sich die Unterrichtsstruktur spürbar — schrittweise, nicht abrupt.

Der Weg vor 2020/21

Vor der Einführung des eigenen Abiturzweigs führte die Emil Molt Schule bis zur zwölften Klasse. Wer im Anschluss die allgemeine Hochschulreife anstrebte, wechselte in der Regel an eine andere Waldorfschule mit eigenem Abiturzweig. Wer einen anderen Bildungsweg einschlagen wollte, konnte an der Emil Molt Akademie weiterlernen — einer Ausgründung der Emil Molt Schule, die bis heute einen eigenständigen, waldorfpädagogisch geprägten Weg zur Fachhochschulreife sowie in soziale und wirtschaftliche Berufe anbietet. Seit 2020/21 ist dieser Wechsel für Schüler:innen, die das Abitur anstreben, nicht mehr notwendig.

Bis Klasse 11: Vertraute Struktur

Bis zur elften Klasse bleibt die Unterrichtsstruktur unverändert: Hauptunterricht am Vormittag, regulärer Fachunterricht, die gewachsene Klassengemeinschaft. In der elften Klasse legen die Schüler:innen zusätzlich den Mittleren Schulabschluss ab, ohne dass sich am grundlegenden Unterrichtsaufbau etwas ändert.

Klasse 12: Hauptunterricht und erste Kurse

In der zwölften Klasse bleibt der Hauptunterricht (Epochenunterricht) fester Bestandteil des Schultages. Ergänzend beginnt im Fachunterricht die gezielte Hinführung auf das dreizehnte Schuljahr: Die Schüler:innen wählen bereits ihre Grund- und Leistungskurse, in denen sie ab diesem Zeitpunkt unterrichtet werden. Chor beziehungsweise Orchester sowie Sport bleiben in der zwölften Klasse ebenfalls Teil des Stundenplans.

Klasse 13: Konzentration auf die Kurse

In der dreizehnten Klasse entfallen Hauptunterricht und Sport. Der Unterricht konzentriert sich nun ausschließlich auf die von den Schüler:innen gewählten Grund- und Leistungskurse, mit denen sie sich gezielt auf die Abiturprüfungen vorbereiten. Chor und Orchester bleiben auch im dreizehnten Schuljahr Teil des gemeinsamen Schullebens.

Prüfungsstruktur: schriftlich und mündlich

Die Abiturprüfungen gliedern sich wie an anderen Berliner Schulen in schriftliche und mündliche Prüfungsteile: Die schriftlichen Prüfungen finden im Frühjahr statt, die mündlichen Prüfungen folgen im späteren Verlauf des Schuljahres. Beide Prüfungsphasen werden im Unterricht der Oberstufe gezielt vorbereitet.

Waldorf-Elemente bleiben erhalten

Der Hauptunterricht begleitet die Schüler:innen bis einschließlich der zwölften Klasse und tritt erst im dreizehnten Schuljahr zugunsten der vollständigen Konzentration auf die Kurse zurück. Chor und Orchester dagegen bleiben durchgehend bis zum Abschluss Teil des Schullebens — auch dann noch, wenn Hauptunterricht und Sport bereits entfallen sind. Ebenso prägen Eurythmie, Klassenspiel und Molto Vitale die Schulzeit bis in die Oberstufe hinein. Die fachliche Vertiefung für das Abitur tritt damit schrittweise neben die Waldorfpädagogik, ohne sie in den ersten beiden Kursjahren vollständig zu verdrängen.

Der MSA als Etappe auf dem Weg

In der elften Klasse legen die Schüler:innen der Emil Molt Schule den Mittleren Schulabschluss (MSA) ab. Anders als früher markiert dieser Abschluss jedoch keinen Bruch: Die Schulzeit an der Emil Molt Schule läuft nahtlos weiter — nach dem MSA wird die Schule nicht verlassen, sondern der Weg bis zum Abitur direkt fortgesetzt.

Auf einen Blick: Abitur an der Emil Molt Schule

Angeboten seit Schuljahr 2020/21
Abschluss Allgemeine Hochschulreife (Abitur), staatlich anerkannt
Struktur Bis Klasse 11 unverändert; Klasse 12 mit Hauptunterricht und ersten Kursen; Klasse 13 ausschließlich in Grund- und Leistungskursen
Prüfungen Schriftliche Prüfungen im Frühjahr, mündliche Prüfungen im späteren Schuljahresverlauf
Erhaltene Waldorf-Elemente Hauptunterricht bis Klasse 12; Chor/Orchester bis Klasse 13; Eurythmie, Klassenspiel und Molto Vitale prägen die gesamte Oberstufenzeit
MSA Abgelegt in Klasse 11 — kein Schulwechsel, Weg zum Abitur läuft nahtlos weiter
Weg vor 2020/21 Wechsel an eine andere Waldorfschule mit Abiturzweig oder an die Emil Molt Akademie (Ausgründung der EMS)
Lehrkräfte Fachlehrer:innen mit Qualifikation für die Kursstufe (Klasse 12/13)

Warum Abitur an einer Waldorfschule? — Die pädagogische Begründung

Ein Abitur, das ausschließlich auf fachliche Prüfungsleistung zielt, lässt einen wesentlichen Teil dessen aus, was Bildung nach dem Verständnis der Waldorfpädagogik ausmacht: künstlerisches Arbeiten, praktische Erfahrung, soziale Verantwortung. Die Emil Molt Schule hat sich deshalb bewusst dafür entschieden, das Abitur nicht als Fremdkörper neben die bisherige Pädagogik zu stellen, sondern die Oberstufe so zu gestalten, dass beide Ansprüche zusammenwirken. Das bedeutet konkret: Fachliche Tiefe und Prüfungsvorbereitung auf der einen Seite, künstlerische und praktische Fächer, Jahresfeste und Gemeinschaftsprojekte auf der anderen — beides bleibt bis zum Abschluss Teil des Schulalltags. Schüler:innen erreichen die Hochschulreife damit nicht trotz, sondern mit ihrer Waldorf-Schulzeit.
Was das Waldorf-Abitur verbindet Was ein rein fachlich ausgerichtetes Abitur nicht leistet
Fachliche Prüfungsvorbereitung bleibt eng verzahnt mit künstlerischen und praktischen Fächern. Eine reine Fokussierung auf Prüfungsstoff lässt künstlerisch-praktische Bildung häufig zurücktreten.
Die über Jahre gewachsene Schulgemeinschaft bleibt bis zum Abschluss erlebbar. Ein Schulwechsel für die Oberstufe unterbricht gewachsene Beziehungen und Gemeinschaftserfahrung.
Epochenunterricht und vertiefendes Lernen prägen auch die Prüfungsvorbereitung. Reiner Fachunterricht im 45-Minuten-Takt bietet weniger Raum für Zusammenhänge und Vertiefung.
Der Aufbau eines eigenen, staatlich anerkannten Kurssystems für Klasse 12 und 13 verlangt mehr als den guten Willen, Abitur anzubieten: Er setzt voraus, dass Fachlehrer:innen über die für die Kursstufe erforderliche fachliche Qualifikation verfügen, dass die Schule den staatlichen Rahmenvorgaben für Unterricht und Prüfungen entspricht und dass Waldorfpädagogik und Prüfungsanforderungen sorgfältig aufeinander abgestimmt werden. Dieser Aufbau war seit 2020/21 ein bewusster, schrittweiser Prozess, kein einmaliger Beschluss.

Wer unterrichtet in den Klassen 12 und 13?

In den Grund- und Leistungskursen der Klassen 12 und 13 unterrichten Fachlehrer:innen mit einer für diese Kursstufe anerkannten Qualifikation — in der Regel ein Lehramtsstudium mit entsprechender Fakultas oder eine vergleichbare, staatlich anerkannte Ausbildung. Diese fachliche Tiefe ist notwendig, um Schüler:innen zuverlässig auf ein Prüfungsformat vorzubereiten, dessen Anforderungen von staatlicher Seite vorgegeben sind. Gleichzeitig bleibt die Verbindung zur bisherigen Schulzeit bestehen: Viele Oberstufenlehrkräfte kennen die Schüler:innen bereits aus früheren Unterrichtszusammenhängen, und die enge Abstimmung mit dem Kollegium der Unter- und Mittelstufe sichert, dass der Übergang in die Oberstufe pädagogisch begleitet und nicht abrupt vollzogen wird. Mehr zur Struktur der vorangehenden Schulzeit findet sich im Wiki-Artikel zum Klassenlehrer:in-Prinzip.

Häufige Fragen zum Abitur an der Emil Molt Schule

Seit wann bietet die Emil Molt Schule das Abitur an?

Seit dem Schuljahr 2020/21 führt die Schule eigenständig bis zur allgemeinen Hochschulreife. Zuvor war ein Wechsel an eine andere Schule notwendig, um das Abitur zu erwerben.

Wird die Schule nach dem MSA verlassen, wenn ein Kind nicht das Abitur anstrebt?

Nein, jedenfalls nicht unmittelbar. Der Mittlere Schulabschluss wird in der elften Klasse an der Emil Molt Schule abgelegt, markiert aber keinen Bruch: Die Schulzeit läuft danach zunächst nahtlos weiter, denn die zwölfte Klasse wird regulär an der Emil Molt Schule absolviert. Erst danach entscheidet sich, wie es weitergeht: Wer das Abitur anstrebt, setzt den Weg an der Schule selbst fort — ein Wechsel ist dafür nicht notwendig, anders als vor der Einführung des eigenen Abiturzweigs im Jahr 2020/21. Wer kein Abitur anstrebt, verlässt die Schule nach der zwölften Klasse oder wechselt beispielsweise an die Emil Molt Akademie.

Wie unterscheidet sich das Abitur an einer Waldorfschule von dem an einem staatlichen Gymnasium?

Die staatlichen Prüfungsanforderungen sind identisch — das Abitur der Emil Molt Schule ist ein reguläres, staatlich anerkanntes Abitur. Der Unterschied liegt im Weg dorthin: Epochenunterricht, künstlerische und praktische Fächer sowie die gewachsene Klassengemeinschaft bleiben Teil der Oberstufenzeit, statt einem rein fachlich getakteten Stundenplan zu weichen.

Bleiben Fächer wie Eurythmie oder Chor auch in den letzten Schuljahren erhalten?

Ja, wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung: Chor und Orchester bleiben bis zum Abschluss in Klasse 13 fester Bestandteil des Stundenplans — auch dann noch, wenn Hauptunterricht und Sport in der dreizehnten Klasse bereits entfallen sind. Eurythmie sowie Projekte wie das Klassenspiel oder Molto Vitale prägen die Schulzeit bis in die Oberstufe hinein.

Wie sind die Abiturprüfungen strukturiert?

Wie an anderen Berliner Schulen gliedern sich die Prüfungen in einen schriftlichen und einen mündlichen Teil: Die schriftlichen Prüfungen finden im Frühjahr statt, die mündlichen Prüfungen folgen im weiteren Verlauf des Schuljahres. Beide Phasen werden im Unterricht der Oberstufe gezielt vorbereitet.

Ist das Abitur der Emil Molt Schule staatlich anerkannt und mit anderen Abiturzeugnissen gleichwertig?

Ja. Es handelt sich um ein reguläres, staatlich anerkanntes Abitur nach den Vorgaben des Landes Berlin — gleichwertig zu jedem anderen Abiturzeugnis und uneingeschränkt gültig für Hochschulzugang und weiteren Bildungsweg.

Bis zum Abschluss ein eigener Weg

Seit 2020/21 müssen Schüler:innen der Emil Molt Schule ihre Schule nicht mehr verlassen, um das Abitur zu erreichen. Die Klassen 12 und 13 verbinden die staatlichen Anforderungen an die allgemeine Hochschulreife mit den prägenden Elementen der Waldorfpädagogik — fachlich anspruchsvoll und zugleich der eigenen pädagogischen Tradition treu.
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